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Alles neu bei Twitter

Abonnements, Community-Gruppen, Talkrunden, temporäre Nachrichten – bei Twitter wird eine Reihe von neuen Funktionen getestet. Wir haben uns angesehen, was hinter „Super Follows“, „Spaces“ und „Fleets“ steckt.

Es scheint fast so, als würde Twitter mit der Sperre von Donald Trumps Account einen Neuanfang wagen. Nur kurz nachdem sich der Mikrobloggingdienst von einem seiner reichweitenstärksten (der Ex-US-Präsident hatte zuletzt 80 Millionen Abonnenten), aber umstrittensten User getrennt hatte, stellte das Unternehmen bei seinem Investorentag im Februar eine Reihe von neuen Funktionen vor. Mit diesen erfindet Twitter das Rad nicht neu, sondern lässt sich teils sehr eindeutig von der Konkurrenz inspirieren. Die Anlegerinnen und Anleger belohnten das Unternehmen dennoch sogleich mit einem Aktienhoch. Aber was genau steckt hinter den neuen Funktionen?

 

„Super Follows“: kostenpflichtige Abos

Plattformen wie Patreon sind vor allem in der Kreativ-Community beliebt: Userinnen und User bezahlen einen monatlichen Beitrag und bekommen dafür Inhalte, wie zum Beispiel früheren Zugang zu Videos, exklusive Bilder oder Lieder. Künstlerinnen und Künstler können so ein Zubrot erwirtschaften. Die gleiche Mechanik will sich jetzt Twitter zu Nutze machen. Anwenderinnen und Anwender können zu sogenannten „Super Follows“ werden. Wer ein Abo hat, erhält bestimmten, kostenpflichtigen Content von einzelnen Nutzerinnen und Nutzern. Offiziell sieht Twitter das als Möglichkeit, damit Fans ihre liebsten Künstlerinnen, Künstler und Verlage direkt fördern können. Allerdings wird Twitter von dem geleisteten Abo-Betrag auch ein Stück Provision abbekommen. Branchenkennerinnen und -kenner vermuten darüber hinaus eine Vorstufe zu den von verschiedenen Medienplattformen bekannten Paywalls.

 

„Communities“: Interessensgruppen

Das Feature „Communities“ erinnert an Facebook-Gruppen. Die Nutzerinnen und Nutzer können sich bereits bestehenden Communities anschließen, oder selbst welche gründen. Diese hießen in dem von Twitter am Investorentag veröffentlichtem Mock-Up beispielsweise „Crazy for Cats“, „Surf Gurlz“ oder „#SocialJustice“. Sowohl für die Testphase von „Communities“ als auch für „Super Follows“ gibt es derzeit allerdings noch keinen offiziellen Starttermin.

 

„Fleets“: temporäre Nachrichten

Derzeit bereits für manche verfügbar ist „Fleets“. Die Funktion ermöglicht es in der Testphase, Nachrichten zu teilen, die nach 24 Stunden wieder verschwinden. Das kennen Userinnen und User schon als „Stories“-Funktion von Instagram oder Snapchat. Diese Nachrichten kann man nicht retweeten, liken oder öffentlich beantworten.

 

„Spaces“: Raum für Gespräche

Ebenfalls für manche schon sichtbar ist „Spaces“. Die Funktion ist in „Fleets“ integriert. Entgegen dem Kerngeschäft von Twitters mit geschriebenen Nachrichten setzt der Dienst hier auf Audio. Nutzerinnen und Nutzer können „Spaces“ eröffnen und bis zu zehn Leute einladen, in diesem virtuellen Raum zu sprechen. Für die ZuhörerInnenzahl gibt es kein Limit und es kann jede oder jeder beitreten. Gedacht ist „Spaces“ als Raum für den gegenseitigen Austausch. Wem das jetzt bekannt vorkommt – eine Ähnlichkeit mit der derzeit gehypten Audio-App Clubhouse ist wohl nicht ganz zufällig.

 

Twitter mit Spamfilter

Sonst noch neu ist, dass Twitter Nutzerinnen und Nutzern künftig die Möglichkeit gibt, aggressive oder Spam verbreitende Accounts automatisch zu sperren. Wie gut dieser Spamfilter in der Praxis funktioniert, wird sich in der kommenden Testphase zeigen.

 

Die „neuen“ Funktionen sind also auf den zweiten Blick nicht ganz so innovativ, wie Twitter sie darstellt. Ihr Vorteil ist natürlich, dass Userinnen und User nicht erst an die neuen Tools gewöhnt werden müssen – dank der Konkurrenz wissen sie bereits, wie die Funktionen zu handhaben sind.