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ASMR what? – Vom Flüstern, Tippen und Rascheln

Wahrlich, nicht jeden Trend muss der Mensch kennen, mitmachen oder gar gut finden. Seit geraumer Zeit aber machen YouTube-Videos die Runde, die durchaus skurril oder komisch wirken mögen. Aber: Die ASMR-Videos gehen regelrecht durch die Decke. Der ASMR-Kanal „Gentle Whispering“ der russisch-US-amerikanischen Webvideoproduzentin Maria Viktorovna verzeichnet beispielsweise rund zwei Millionen Abonnentinnen und Abonnenten. Erstmals tauchte dieses Internet-Phänomen 2010 im angloamerikanischen Raum auf. Auf YouTube nahm die Veröffentlichung solcher Videos immer mehr zu. 2014 waren bereits über zwei Millionen ASMR-Clips zu finden. Mit Blick auf diese Zahlen, helfen diese Videos offensichtlich sehr vielen Menschen, ihren stressigen Alltag hinter sich zu lassen.

ASMR beruhigt

ASMR steht für Autonomous Sensory Meridian“ – neben der Schwierigkeit, ihn überhaupt richtig auszusprechen, lässt sich der Begriff nur schwer übersetzen.

Laut Wikipedia bezeichnet ASMR die Erfahrung eines kribbelnden Gefühls auf der Haut, den „Tingles“, das meist am Kopf beginnt, sich entlang des Nackens und der oberen Wirbelsäule ausbreitet und ähnlich erlebt wie eine sanfte, elektrostatische Entladung. Für die meisten Menschen haben ASMR-Videos eine beruhigende Wirkung und dienen dazu, eine Sinnesreaktion hervorzurufen. Wie etwa: Zufriedenheit, Entspannung, Senkung der Puls- und Herzfrequenz oder Schläfrigkeit.

Ausgelöst werden die gewünschten, durch ASMR hervorgerufenen Gefühle und Reaktionen durch gezielt gesetzte Reize, sogenannte „Trigger“:

  • leises Flüstern: so leise, dass man es kaum hört; auch fremdsprachige- oder Fantasielaute
  • Geräusche unterschiedlichster Art: mit Mund, Lippen oder Zunge verursacht, sanftes Fingertippen oder -kratzen, Pusten, Hauchen, Rascheln von Papier oder Blättern
  • Persönliche Zuwendung, simulierte Berührungen über den Bildschirm

Was die Wissenschaft sagt

Wissenschaftlich erforscht ist dieses Phänomen noch wenig, da es noch sehr jung ist und: Laut Tom Stafford, Dozent für Psychologie und Kognitionswissenschaften an der Sheffield Universität (Großbritannien) und anderen ExpertInnen, lassen sich diese inneren Empfindungen bisher nur schwer messen. Es gibt allerdings eine Fülle an Beschreibungen von Menschen, die darauf ansprechen. In den letzten Jahren wurden aber in Zusammenhang mit ASMR bereits mehrere Studien durchgeführt. . Psychologin Giulia Poerio, ebenfalls Professorin an der Sheffield Universität, untersuchte 2018, ob ASMR überhaupt einen nachweisbaren physiologischen Effekt habe. Inzwischen ist bewiesen, dass sich bei Menschen, die auf ASMR reagieren, die Herzfrequenz senkt und die Hautleitfunktion erhöht. ASMR funktioniert allerdings nicht bei allen Menschen – jede fünfte ProbandIn war für die Reize gar nicht empfänglich. Einige Forschende sehen die Videos durchaus als Alternativmethode bei Schlafstörungen etc.

Ein Selbstversuch lohnt sich auf jeden Fall.

Eine Auswahl an ASMR-Videos

https://www.youtube.com/channel/UCu97hBFhxT-DwqnMW0ETN0w
https://www.youtube.com/watch?v=EOqI_8XzM_8
https://www.youtube.com/watch?v=4a_NGIdhqKw
https://www.youtube.com/watch?v=Iwn022MvlYo