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Binär ist nur der Code

Gendern ist kein Randphänomen mehr. Auch auf großen Onlineplattformen kommen Ausdrücke, die männliche, weibliche und diverse Personen miteinbeziehen, immer mehr vor. LinkedIn lässt Menschen auf seiner Seite sogar ihre Geschlechtspronomen (he/him, she/her, they/them) einstellen und bekanntgeben. Bis hin zur geschlechtsneutralen Sprache ist es aber noch ein weiter Weg mit vielen Fragezeichen. Die Digitalen Perspektiven geben einen kurzen Überblick.

Gendersensible Sprache wird immer wichtiger. Inzwischen setzen auch große Unternehmen nicht mehr darauf, Menschen einfach nur mit der männlichen Form „mit zu meinen“. Und Gendern betrifft nicht nur Frauen und Männer. Es gibt Personen, die sich nicht einem der zwei klassischen Geschlechter zuordnen können oder wollen. Auch wenn es so einige versuchen auszublenden – unsere Welt ist bunter, als es den Anschein hat. Nicht-binäre Menschen gibt es, und sie wollen ebenso angesprochen werden.

 

Gendern wird Mainstream

Ein Vorreiter der genderneutralen Sprache bei den sozialen Medien ist LinkedIn. Das Unternehmen gendert seit Juni 2019 konsequent – seit September 2020 geschlossen mit der Variante „:innen“. Diese Variante wendet zum Beispiel auch Amazon in seinem Blog an. Laut einer Studie des Münchner Ifo-Instituts und der Zeitarbeitsfirma Randstad benutzt mittlerweile sogar jedes dritte deutsche Unternehmen genderneutrale Sprache in der Kommunikation nach außen. LinkedIn geht sogar noch einen Schritt weiter: Seit Juni 2021 können Menschen auf ihren Profilen im sozialen Netzwerk ihre bevorzugten Pronomen öffentlich angeben. Das bezieht sich auf die englischen Pronomen he/him, she/her, they/them für männlich, weiblich und divers. Die Einstellungen sind aber noch nicht bei allen verfügbar und werden jetzt schrittweise in den einzelnen Sprachen und Ländern umgesetzt.

 

Technische und andere Schwierigkeiten

Diese Entwicklungen gefallen nicht immer. Ein VW-Mitarbeiter beispielsweise klagt derzeit Audi aufgrund des internen Genderleitfadens und der darin gewünschten Nutzung der sogenannten „Gender_Gap“. Von vielen wird auch kritisiert, dass Sonderzeichen den Lesefluss stören. Ein volles Ausschreiben von zum Beispiel „Leserinnen und Lesern“ ist sprachlich flüssiger – braucht aber auch mehr Platz. Andere argumentieren, dass mit den Sonderzeichen wie „*“, „:“ und „_“ auch Menschen außerhalb der Geschlechtsnormen angesprochen werden. Der „Genderstern*“ etwa kommt eigentlich aus der Technik und wurde von Suchmaschinen übernommen. Dort steht „*“ als Platzhalter für eine beliebige Anzahl von Buchstaben. Er steht damit für die unterschiedlichen Möglichkeiten, Geschlechter zu betrachten – oder sich eben mit keinem davon zu identifizieren. Umso bitterer ist es daher, dass Gendern in Suchmaschinen (noch) Nachteile bringt.

 

Alternativen zum Sternchen

Es gibt aber auch Alternativen: Wer sich mit „Binnen-Is“, „Gender_Gap“, „/“, „*“ oder „:“ gar nicht anfreunden kann, dem sei eine genderneutrale Wortwahl ans Herz gelegt. Oftmals gibt es nämlich recht einfache Möglichkeiten, eine geschlechtsspezifische Sprache zu umgehen. Die Plattform „geschicktgendern“ etwa zeigt eine ganze Reihe von neutralen Formulierungen auf. Mit ein wenig Übung gelingt es in den meisten Fällen auch gut, das umzusetzen. Die genderneutrale Variante hat den Vorteil, dass sie kaum auffällt und sich schön in Texte einfügt. Oder haben Sie beim Lesen bemerkt, dass dieser Text – abgesehen von den Beispielen – völlig ohne Gender-Sonderzeichen und Doppel-Nennung auskommt?