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Facebook gibt sich ein neues Gesicht

Nach wochenlangen Spekulationen ist es offiziell: Der Facebook-Konzern heißt künftig „Meta“. Der Zeitpunkt für die Umbenennung kommt nicht überraschend, Facebook kam in den letzten Monaten kaum aus der Kritik heraus. Whistleblowerin Frances Haugen verbreitet erschreckende interne Details und das eigene, eingestaubte Image macht dem Konzern zu schaffen.

Neuer Name, neues Glück?

Facebook heißt ab sofort „Meta“. Allerdings betrifft das nicht etwa das soziale Netzwerk, sondern – vergleichbar mit Google und Alphabet – die übergeordnete Holding. Damit sollen wohl auch die anderen Marken des Konzerns – wie Instagram, WhatApp oder der vielversprechende Virtual-Reality-Ableger Metaverse – nicht mehr mit dem negativ behafteten Namen „Facebook“ in Verbindung gebracht werden. Denn der Social-Media-Riese sieht sich im Moment mit einer langen Reihe an Kritikpunkten konfrontiert.

 

Whistleblowerin erhebt schwere Vorwürfe

CEO Mark Zuckerberg begegnet diesen Vorwürfen auf der kürzlich abgehaltenen Präsentation der Quartalszahlen mit einer Kampfansage: Er widerspricht der Whistleblowerin Frances Haugen vehement. Die Aussagen Haugens sind dennoch schwerwiegend: Facebook soll bereits 2019 herausgefunden haben, dass Instagram besonders schädlich für das Körpergefühl von jungen Menschen sei. Vor allem Mädchen würden darunter leiden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden nie von Facebook an die Öffentlichkeit kommuniziert. Ganz im Gegenteil: Instagram motiviert die Jugendlichen weiter dazu, noch mehr Zeit in diesem schädlichen Umfeld zu verbringen. Auch Falschinformationen und Hassreden bekäme Facebook deutlich schlechter in den Griff, als das Unternehmen vorgibt. Wütende und extreme Postings würden vom Algorithmus sogar begünstigt. Mark Zuckerberg weist die Vorwürfe von Haugen als „koordinierten Versuch, sein Unternehmen ins falsche Licht zu rücken“ zurück.

 

TikTok gibt Takt vor

Aber auch ohne diese Vorwürfe hat Facebook nicht allzu viel zu Lachen. Das junge Publikum läuft immer mehr zu Konkurrent TikTok über. Darum plant die Unternehmensgruppe, sich künfitg mehr an einer jüngeren Zielgruppe zu orientieren – und damit am chinesischen Kurzvideonetzwerk. So werden in Zukunft vermehrt hochformatige Videos in die Timelines Einzug halten. Übrigens: In China setzt TikTok ausgerechnet im Bereich Jugendschutz und Onlinesucht drastische Maßnahmen. Nachdem die Regierung Douyin, wie TikTok dort heißt, zum Handeln gezwungen hat, wurden die Konten aller Nutzer*innen unter 14 Jahren streng reglementiert. Sie können nur noch 40 Minuten am Tag Videos schauen. Für alle anderen erscheint nach einer gewissen Zeit eine nicht ausblendbare Warnung, die dazu auffordert, eine Smartphone-Pause einzulegen. Vielleicht schneidet sich Facebook eine Scheibe davon ab.

 

Jammern auf hohem Niveau

Sorgen um Facebook muss man sich übrigens nicht machen. Zwar war der Umsatz im vergangenen Quartal nicht so hoch wie erwartet – mit einem Anzeigenerlös von 29 Milliarden Dollar im dritten Quartal 2021 nagt Mr. Zuckerberg aber noch längst nicht am Hungertuch. Außerdem stieg die Anzahl der aktiven Nutzer*innen trotz allem leicht von 1,91 auf 1,93 Milliarden Menschen.

 

Fazit

Und was heißt all das nun für Unternehmen, die auf Facebook & Co Werbung schalten? In unmittelbarer Zukunft noch nichts. Die Umbenennung bringt erst mal keine Änderungen im operativen Geschäft. Und die brisanten Enthüllungen haben noch zu keinem Einbruch der Nutzerzahlen geführt – ein Rückblick auf frühere Skandale macht das auch eher unwahrscheinlich (siehe auch den „Stop Hate For Profit“-Protest aus 2020). Aber Facebook – beziehungsweise „Meta“ – wird sich verändern. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich die Möglichkeiten von Kurzvideos anzusehen. Denn wie immer reicht es bei den Sozialen Medien nicht, sich auf den Status Quo zu verlassen.

 

Bildquelle: Annie Spratt @unsplash