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Kein Kampf mehr ums Ladekabel?

Gleich mehrere Technologie-Konzerne stellten kürzlich ihre Vision zum kabellosen Smartphone-Laden aus der Entfernung vor. Die Digitalen Perspektiven haben sich die Praxistauglichkeit dieser Entwicklungen angesehen.

Es klingt doch recht verlockend: Statt jedes Mal mit dem Kabel am Smartphone zu fummeln und mit Familienmitgliedern, Freund*innen oder Kolleg*innen um die besten Steckdosen zu rangeln, das Telefon einfach hinlegen und wie von Zauberhand aufladen lassen. Ladepads gibt es zwar schon auf dem Markt, aber Motorola, Xiaomi und Oppo haben kürzlich neue Konzepte für Ladetechnologien vorgestellt. Diese sollen komplett kontaktlos und auch aus einiger Entfernung funktionieren.

 

Bis zu drei Meter Entfernung

„Über die Luft laden“ soll in Zukunftmit einer speziellen Ladestation möglich werden. Dieses sendet die Ladeimpulse in einem 100-Grad-Winkel und kann laut Motorola bis zu vier Smartphones über eine Entfernung von bis zu drei Metern gleichzeitig laden. Das Unternehmen nennt sein Konzept „Space Charging“. In der Variante des Unternehmens Oppo ist das über nur eine kleinere Entfernung von einem halben Meter möglich. Xiaomis gibt für sein „Mi Air Charge“ „mehrere Meter“ als Reichweite an. Noch ist nicht alles über die Technologie dahinter bekannt. Xiaomi stattet seine Smartphones voraussichtlich mit einer eigenen Empfangseinheit aus, um das Laden möglich zu machen – das heißt, dass nur Xiaomi-Smartphones über Xiaomi-Ladestationen geladen werden können. Wie der Ladevorgang bei Motorola aussieht, ist in einem Video bei Android Authority zu sehen.

 

Nichts für „Schnelllader“

In Fachkreisen wird von einer Ladeleistung von fünf Watt gesprochen, aber die genauen Daten liegen noch nicht vor. Zum Vergleich: Xiaomi wirbt derzeit bei seiner 11T-Smartphonereihe mit einer Schnellladefunktion mit 120 Watt – das entspricht einer Ladedauer von 0 auf 100 Prozent in 17 Minuten. Für „Schnelllader“ ist die kabellose Variante also weniger geeignet. Dafür soll das Signal aber auch dünne Hindernisse durchdringen können, wie beispielsweise Papier. Darüber hinaus können die Sensoren laut den Herstellern aus Sicherheitsgründen auch wahrnehmen, wenn sich ein menschlicher Körper im Ladebereich aufhält und stoppen dann den Ladevorgang.

 

Fazit

Die Technologie befindet sich noch klar in den Kinderschuhen: Die Ladeleistung bewegt sich mit fünf Watt in einem sehr niedrigen Bereich. Bei den möglichen Entfernungen gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Herstellern. Es stellt sich auch die Frage, wie stabil diese Ladeleistung ist, denn nicht immer ist ein Regal oder Schreibtisch frei von Hindernissen. Aber wie so oft bei Innovationen muss erst mal ein Anfang gemacht werden. Technik-Fans werden sich vielleicht schon die ersten Versionen dieser neuen Ladetechnologie gönnen und diese auf Herz und Nieren prüfen. Voraussichtlich ab 2022 werden die ersten Ladestationen im Handel erhältlich sein. Alle anderen sollten die Technologie im Augen behalten, denn wenn sich die Kinderkrankheiten behoben sind, ist hier eindeutig ein neuer Trend im Anmarsch.