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LG verabschiedet sich aus dem Handy-Markt

LG lässt sein Smartphone-Geschäft auf. Damit befindet sich der koreanische Hardware-Hersteller in bester Gesellschaft: Auch Techgiganten wie Nokia, Microsoft oder Facebook scheiterten am Smartphone-Markt.

Wessen erstes Handy war auch das legendäre Nokia 3210? Oder wer besaß später das schneidige Motorola RAZR? Der eine oder die andere hatte sicher auch – vor allem in den frühen 2010er Jahren – ein Mobiltelefon aus dem Hause LG. Was diese drei Beispiele gemeinsam haben? Die drei Marken waren alle einmal ganz groß am Handy-Markt – Betonung liegt auf „waren“. Inzwischen sind sie nur mehr eine Randerscheinung, von der tonangebenden Kraft von früher weit entfernt. Vor kurzem gab nun LG bekannt, nach langem Ringen die weiße Fahne zu hissen und aus dem Smartphone-Geschäft auszusteigen.

 

Vielversprechender Anfang

LG wird künftig keine Smartphones mehr produzieren, aber für die neueren Modelle noch etwa drei Jahre lang Updates anbieten. Welche Modelle das betrifft ist hier zu finden. Die Handy-Sparte brachte LG schon seit Jahren nur mehr Verluste. Dabei begann alles sehr vielversprechend: Das koreanische Unternehmen war einer der ersten Anbieter von Android-Smartphones. Die Technik war solide und die Produkte günstiger zu haben als Apples und Samsungs Flaggschiffe. So konnte LG abseits von den beiden Marktführern recht schnell Boden gegenüber der übrigen internationalen Konkurrenz gut machen. Für kurze Zeit war das Unternehmen sogar der drittgrößter Handyhersteller der Welt.

 

Stetiger Abstieg

Im Windschatten erster Erfolge versuchte LG mehrere Innovationen voranzutreiben. Doch gebogene oder doppelte Displays sowie modulare Smartphones konnten sich nicht durchsetzen. Ein Flop folgte dem nächsten. LGs „Standard“-Telefone konnten zwar immer noch mit stabiler Technik überzeugen, doch der Konzern verkalkulierte sich bei der Preisgestaltung: Für das Mittelklassesegment war man – insbesondere im Vergleich mit der chinesischen Konkurrenz – einfach zu teuer für das, was die Smartphones leisteten. Das schreckte viele Kundinnen und Kunden ab und selbst als LG technisch besser wurde, waren diese bereits zu anderen Marken abgewandert. Ein wenig trifft man bei LG auch auf ein Henne-Ei-Problem: Wurde das Smartphone-Geschäft deshalb weniger beworben, weil die Umsätze in den letzten Jahren so gesunken waren, dass es sich nicht mehr rentierte – oder war das wenig aggressive Marketing mit Schuld daran, dass die Kundinnen und Kunden LG nicht mehr in Betracht zogen?

 

Schwieriger Markt

Der Hardware-Markt für Smartphones ist zwar wachsend, aber generell hart umkämpft. Tonangebend sind Apple und Samsung. Dem gegenüber stehen mehrere Anbieter, die mit Kampfpreisen ins Rennen gehen. Es ist schwer eine Nische zu finden, Innovationsführer zu werden eher ein Ding der Unmöglichkeit. Das mussten in der Vergangenheit auch viele – sonst erfolgsverwöhnte – Marken feststellen. Nokias Versuche, am Smartphonemarkt Fuß zu fassen, haben traurige Berühmtheit erlangt. Nicht einmal die Zusammenarbeit mit dem Software-Giganten Microsoft konnte daran etwas ändern. Aber auch Facebook hatte sich 2013 an einem eigenen Handy versucht und war gescheitert. Selbst Google, das mit Android bei den Betriebssystemen führend ist, ist mit seinen Pixel-Phones eine Randerscheinung.

Woran liegt das? Offenbar nicht am mangelnden Innovations-Willen, wie LG beweist. Vielmehr geht es darum, bei Smartphones eine Punktlandung bei Preis, Leistung, Nutzerfreundlichkeit und Image zu landen. Ausrutscher lässt der Markt nicht zu. Sogar Apple musste vor kurzem das Ende des iPhone Mini bekannt geben.

 

LG blickt nach vorne

Und wie geht es nun mit LG weiter? Der Konzern vertraute glücklicherweise nicht nur auf die Smartphone-Sparte. LG versucht nun seine Ressourcen auf andere – vielversprechendere – Geschäftsfelder zu konzentrieren: Elektrofahrzeuge, vernetzte Geräte, Robotertechnik, intelligentes Wohnen und künstliche Intelligenz.