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Mehr Transparenz auf Facebook

Der Social Media Gigant Facebook veröffentlicht im Vorfeld der Wahlen zum Europäischen Parlament mehrere Neuerungen. Ziel der Updates ist es, dass die Nutzer besser darüber informiert sind, welcher Werbetreibender für eine Werbeanzeige verantwortlich ist. Dadurch soll eine externe Einflussnahme auf die Wahlen verhindert werden.

Die Neuerungen sollen für mehr Transparenz im Netzwerk sorgen, um dies zu gewährleisten führt Facebook einen neuen Autorisierungsprozesse ein. Die Neuerung umfassen:
• die Verifizierung der Identität des Werbetreibendens im jeweiligen EU-Land,
• die Kennzeichnung „Finanziert durch“ in der Seiteneinstellung unter Autorisierung und
• die Speicherung aller Werbeanzeigen inklusive detaillierter Informationen in der neuen Werbebibliothek.

 

Die Neuerungen im Detail

  • Identität verifizieren

Werbetreibende, die innerhalb der Europäischen Union Anzeigen mit politischem Bezug einschließlich Kampagnen die zur Erhöhung der Wahlbeteiligung beitragen oder Themen von besonderer Relevanz wie Inhalte zur Einwanderung, Bürgerrechte, Sicherheit und Außenpolitik erstellen, müssen zuerst ihre Identität verifizieren.

Anforderungen für die Verifizierung sind:
– ein amtlicher Lichtbildausweis,
– zwei offizielle Dokumente,
– ein notariell beglaubigtes Formular (auf Facebook downloadbar)

Wichtig dabei ist, dass auf jedem der ausgestellten Dokumente der jeweilige Name des ausgestellten Landes abgedruckt ist. Zudem muss das Land mit diesem übereinstimmen, für welches Sie die Autorisierung zum Schalten von Werbung erhalten. Im Hilfebereich von Facebook gibt es die genaue Liste, der als Identifikationsnachweis akzeptierten Dokumente.

  • Kennzeichnung „Finanziert durch“

Damit politische Werbung überhaupt geschaltet werden kann, müssen Sie außerdem einen „Finanziert durch“-Disclaimer für die jeweilige Seite erstellen. Dies funktioniert folgendermaßen:

Schritt 1: Tab „Autorisierung“ in Ihren Facebook Einstellungen aufrufen
Schritt 2: Verknüpfung der Werbekonten, welche Sie verwenden möchten

Dabei ist gut zu wissen, dass die Einrichtung eines oder auch mehrerer Disclaimer auf Seitenebene erfolgt und nicht auf Anzeigenebene. Dies kann nur auf einem Desktop-Browser durchgeführt werden.

Vorschriften für die Kennzeichnung:
– vollständige Angabe des Namens
– es dürfen keine Abkürzungen und URL verwendet werden
– darf nicht den Wortlaut „Finanziert durch“ beinhalten
– die Facebook Richtlinien zu Disclaimern müssen eingehalten werden

Die Kennzeichnung „Finanziert durch“ kann optional den Namen des Seitenadministrators – laut offizieller Dokumente – Seitenname oder abweichender Name der Organisation beinhalten. Zur Bestätigung können im Bedarfsfall weitere Informationen wie Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Website oder Postanschrift verlangt werden. Je nach Land können auch verschiedene weitere Pflichtfelder gefordert werden. Beispielsweise muss in Frankreich der Unternehmensgegenstand als Pflichtfeld angegeben werden.

  • Next Step: Anzeigenbuchung

Sobald die beiden Schritte von Facebook genehmigt sind, kann politische Werbung geschalten werden. Bei der Anzeigenerstellung scheint dann das Kontrollkästchen „Bei dieser Anzeige handelt es sich um Wahlwerbung oder Werbung zu Themen, die in der EU relevant sind“ – dies muss aktiviert werden, damit die Kennzeichnung in der neuen Anzeige enthalten ist.

Dabei ist wichtig, dass zusätzlich zum beschriebenen Autorisierungsprozess in der EU, je nach Land, in Euro oder einer anderen akzeptierten Währung bezahlt wird. Das Werbekonto muss eine Zahlungsquelle mit einer Adresse im entsprechenden Land angeben, in dem Sie Werbung schalten wollen. Außerdem können Anzeigen nur in dem Land geschalten werden, in dem diese autorisiert wurden. Das bedeutet auch, dass wenn im Profil der Person oder auf der Seite des Werbetreibenden ein Land genannt wird, muss dieses dem Land entsprechend für welches Sie autorisiert worden sind.

Neue Werbebibliothek

Die neue Werbebibliothek von Facebook soll dem Nutzer mehr Informationen über Anzeigen und Werbetreibende liefern. In dieser werden alle Anzeigen mit politischem Bezug oder besonderer Relevanz für die EU sieben Jahre lang gespeichert. Die Werbebibliothek enthält alle Anzeigen mit dem neuen Disclaimer. Auch Anzeigen ohne Disclaimer werden in einem nächsten Schritt in die Sammlung aufgenommen, wenn sie als politisch eingestuft werden. Zusätzlich werden alle Informationen wie Anzahl der Impressionen, Kosten sowie Angaben über die Zielgruppe und erreichte Standorte der Anzeige gespeichert.

Vorteile für den User?

Wir erinnern uns an den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016: Facebook geriet unter heftige Kritik, nachdem bekannt wurde, dass von Russland aus Propaganda-Kampagnen geschalten wurden. Mit den Neuerungen will die Plattform in Zukunft ausländische Einflussnahmen auf die Abstimmung verhindern. Zusammengefasst bedeutet das, dass für einen Kandidaten aus Österreich keine Wahlwerbung aus Italien, Russland oder Dänemark geschalten werden kann. Dadurch haben Facebook Nutzer mehr Transparenz und erkennen auf dem ersten Blick, wer für die politische Werbeanzeige verantwortlich ist.

Wie findet ihr die Neuerungen von Facebook – unnötig oder höchste Zeit, dass sich der Konzern dem heiklen Thema angenommen hat?

Quelle: Facebook, Spiegel

Photo by Arnaud Jaegers on Unsplash