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Digitaler Stammtisch Blockchain: Das große Missverständnis

Beim „Digitale-Perspektiven-Stammtisch“ am 18. Juni 2018 in Dornbirn, hat Pascal Egloff, Dozent der Fachhochschule St.Gallen, einen Einblick in die Blockchain-Technologie gegeben und gezeigt, dass sie weitaus mehr als nur eine Voraussetzung für Bitcoins ist. Er ist davon überzeugt, dass diese technische Revolution früher oder später fester Bestandteil in unserem Alltag sein wird. Die Blockchain-Technologie hat das Potential Klein- und Mittelbetriebe (KMU) effizienter zu machen.

Die Termini „Blockchain“ und „Bitcoin“ werden meistens in einem Atemzug erwähnt. Die Blockchain-Technologie ist in Wirklichkeit allerdings weitaus mehr als ein Schlüsselelement der Kryptowährung Bitcoin, welche weder von einem Staat noch von einer Bank oder einem anderen Intermediär kontrolliert wird, sondern von unzähligen, dezentralen Rechnern. Beim Digitale-Perspektiven-Stammtisch ist der Experte Pascal Egloff genau hierauf eingegangen. Er hat das Potential aufgezeigt, welches die Blockchain-Technologie, also das dezentrale Buchführungssystem mittels kryptographischem Verfahren, für Klein- und Mittelunternehmen birgt. „Wir reden von Blockchain im Rahmen von verteilten Transaktionsdatenbanken. Die Transaktion wird in diesem Fall nicht an einem einzigen Server gespeichert, sondern wird von sehr vielen unabhängigen privaten Computern, die über die ganze Welt verteilt sind, verifiziert. Diese Dezentralität stellt sicher, dass keine Partei die alleinige Macht über die gespeicherten Daten, Informationen oder Rechte hat. Die teilnehmenden Rechner und PCs versuchen ein kompliziertes Rätsel zu lösen. In jeder Sekunde werden beispielsweise bei der Blockchain der Kryptowährung Bitcoin 33 x 1018 – das ist eine 33 mit 18 Nullen “Versuche” durchgeführt, um das Rätsel zu entziffern“, erklärt Pascal Egloff. Dies führe im Fall von Bitcoin zu einem enormen Energieverschleiß.

Blockchain kann in allen Transaktionsprozessen zur Anwendung kommen – sei es im Bereich der Logistik oder im Zusammenhang mit Finanzen. Den Vorteil für Klein- und Mittelunternehmer sieht der Experte darin, dass Blockchain ein hohes Maß an Sicherheit gewährleistet. „Alle Partner sind transparent und permanent über sämtliche Transaktionen informiert. Es ist nicht möglich für eine Einzelperson, eine Transaktion zu manipulieren“, erklärt Pascal Egloff. Die Möglichkeit der “Korruption” des Systems wird auf ein Minimum reduziert. Kunden und andere Interaktionspartner gewinnen dadurch mehr Vertrauen in das Unternehmen – was von unschätzbarem Wert ist und langfristig betrachtet über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheiden kann. Startups aber auch bestehende KMUs können sich dadurch z.B. schneller eine Kundenbasis aufbauen oder ganz neue Märkte erschließen.

Effizienzsteigerung und Kostensenkung

Neben dem Vorteil der Transparenz hob Pascal Egloff auch den Aspekt der Kostensenkung und der Effizienzsteigerung hervor. Durch die Blockchain-Technologie fallen beispielsweise Transaktionskosten, die im Zusammenhang mit Auslandsüberweisungen entstehen, weg. Die Technologie vereinfacht auch viele Arbeitsprozesse im Bereich Verwaltung. „Alles in allem kann man sagen, dass die Blockchain-Technologie vor allem für jene Unternehmen interessant sein kann, die bislang in ihrem Arbeitsprozess auf Intermediäre angewiesen waren. Ein gutes Beispiel für einen Intermediär, den jeder kennt, ist die Bank. Sie verwaltet bis jetzt das Geld des Kunden und dient als Brücke zwischen Gläubiger und Schuldner. Blockchain könnte den administrativen Arbeitsaufwand erheblich vermindern. Deshalb ist es für Banken auch ratsam, die Entwicklung von Blockchain zu verfolgen und aktiv mitzuprägen“, so die Einschätzungen von Pascal Egloff.  Mit Blockchain kann der Intermediär einfach außen vorgelassen werden. Der Computer übernimmt die Verwaltungsarbeit, eine Vermittlung zwischen Gläubiger und Schuldner, die zwischen Nachfrager und Anbieter entsteht. Insofern kann Blockchain das Vertrauen ersetzen, das bisher durch Intermediäre gewährleistet wurde.

Pascal Egloff betont, dass die Blockchain jedoch nicht nur für die offensichtlichen und “großen” Intermediäre wie Banken oder Versicherungen von zentraler Bedeutung sein wird. Auch für kleine und mittlere Unternehmen aus allen Branchen kann die Technologie neue Opportunitäten ermöglichen. Großes Potential wird z.B. im Bereich Supply Chain Management geortet. Intermediäre müssen gemäß Pascal Egloff nicht immer Personen, Unternehmen oder Institutionen sein; es kann sich auch um einfache zwischengeschaltete Prozessschritte handeln, deren Eliminierung eine Effizienzsteigerung bedeutet. Pascal Egloff rät deshalb, das Thema als Unternehmen aktiv mitzuverfolgen, um mögliche Chancen aus der Blockchain-Technologie auch als KMU frühzeitig antizipieren zu können.