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Paragraph 13: Gefahr für Internet-Kultur?

Schminktutorials, Katzenvideos und vor allem Musikclips: Weltweit nutzen monatlich 1,5 Milliarden aktive Nutzer das Online-Videoportal YouTube. Wenn 2019 der Artikel 13 der EU-Urheberrechtslinie durchgesetzt wird, könnte damit jedoch Schluss sein. Kritiker sehen dies nicht nur als Gefahr für die Internet-Kultur, sondern auch für die Meinungsfreiheit.

Das 2005 gegründete Videoportal YouTube gehört seit 2006 zu Google und hat das Thema Videoclips im Internet revolutioniert. Noch nie war es so einfach, kostenlos Videos anzusehen, zu bewerten, zu kommentieren und selbst hochzuladen. Im letzten Jahr stieg die Zahl der Kanäle mit über 1 Million Abonnenten um 75 Prozent. Doch die Angst vor weniger Content und somit auch weniger Werbeeinnahmen führt aktuell zu hitzigen Diskussionen. YouTube-Geschäftsführerin Susan Wojcicki, befürchtet dass Artikel 13 der EU-Urheberrechtslinie die gesamte YouTube-Community gefährden könnte. Doch die Konsequenzen bekäme nicht nur YouTube zu spüren.

Was beinhaltet Artikel 13 und wo gilt er?

In der vom EU-Parlament beschlossenen Urheberrechtsreform sind unter anderem Upload-Filter vorgesehen – nach Paragraph 13 sollen die Plattformen also selbst dafür verantwortlich sein, Urheberrechte zu prüfen.

Upload-Filter sind technische Maßnahmen, mit denen Online-Plattformen bereits während des Hochladens von Inhalten wie Bildern, Texten, Videos oder Musik prüfen, ob Material urheberrechtlich geschützt ist oder nicht. Plattformen, die große Mengen an nutzergenerierten Inhalten veröffentlichen, sind betroffen. Sprich also: Unter anderem YouTube, Facebook oder Instagram.

Weg frei für die Zensur?

Das Vorhaben erntet heftige Kritik: Viele fürchten die Gefahr von „Overblocking“. Es wird vermutet, dass, wenn die Plattformen bei Urheberrechtsverletzungen haftbar gemacht werden, vorsichtshalber eher mehr als weniger Inhalte gelöscht werden – und somit auch legaler Content gestoppt wird. Ein weiteres grundlegendes Problem: Computerprogramme können Ironie oder Satire nicht erkennen.

Nicht nur YouTube übt Bedenken, sondern auch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und WWW-Gründer Tim Berners-Lee. Sie fürchten, dass die Upload-Filter Zensur möglich machen. In einem offenen Brief an die EU-Kommission schreiben sie von „automatisierter Überwachung und Kontrolle der Nutzer“. Einmal gesetzlich für alle Internetplattformen vorgeschrieben, könnten solche Technologien das Filtern kritischer Stimmen vereinfachen und hätten somit massive Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit.

Unter anderem könnten Memes, wie sie in folgendem Video vorkommen, schon bald der Vergangenheit angehören:

Oder aber Satire-Videos wie dieses:

Freiwillige Upload-Filter bereits im Einsatz

Upload-Filter nutzen einige große Plattformen bereits freiwillig. Sie geraten jedoch immer wieder in Kritik, da sie nicht hundertprozentig treffsicher sind und es immer wieder zu ungerechtfertigten Urheberrechtsverletzungsansprüchen kommt. So sperrt YouTubes System „Content ID“ oftmals Videos, die fälschlicherweise als Verstoß angesehen werden. Der Upload-Filter wurde dem Unternehmen nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern ist ein Geschäftsmodell zwischen YouTube und den großen Medienkonzernen der Film- und Musikbranche.

 

Quellen: Futurezone, tagesschau und basicthinking.