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TikTok zur Personalsuche?

Mehr Jugendliche sind auf TikTok als auf Facebook. Aber eignet sich die Plattform auch zur Personalsuche? Die Digitalen Perspektiven haben sich die Möglichkeiten angesehen.

Die Menschen dort erreichen, wo sie sind. Das ist ein recht einfaches Prinzip, nach dem die Personalsuche funktioniert. Denn die beste, schönste und kreativste Anzeige hilft nicht, wenn der*die ideale Kandidat*in sie nicht sieht. Darum sollte erst recherchiert werden, welche Medien die gewünschte Zielgruppe am meisten nutzt. Und je jünger die potentiellen Mitarbeitenden sein sollen, umso öfter kommt da ein Name vor: TikTok.

 

Auf TikTok geht es locker zu

57 Prozent der Jugendlichen (elf bis 17 Jahre alt) in Österreich nutzen laut einer Studie von Saferinternet.at bereits TikTok – Tendenz steigend. Das sind deutlich mehr Nutzer*innen als Facebook mit 34 Prozent zu verzeichnen hat. Wer also ganz bewusst junge Bewerber*innen ansprechen will, erreicht seine Zielgruppe auf TikTok besser. Das geht von Maßnahmen des Employer Brandings – also das Positionieren des eigenen Unternehmens als gute*r Arbeitgeber*in – bis hin zu konkreten Aufrufen zu Bewerbungen. Wichtig ist bei dabei immer: Sich selbst nicht zu ernst nehmen. Alles was steif und altbacken wirkt, schadet der Marke eher als es nutzt. Es sei denn, es ist so schlecht, dass es schon wieder gut ist – aber dieser Grat ist so schmal, dass man ihn besser nicht absichtlich beschreitet.

 

Pilotprojekt in den USA

TikTok hat inzwischen auch schon selbst das Potential seiner Plattform für die Personalsuche erkannt. Im Sommer 2021 startete das Unternehmen in den USA ein Pilotprojekt: Unter dem Hashtag #tiktokresumes konnten Kandidat*innen Videos posten, in dem sie in aller Kürze ihren Lebenslauf kreativ präsentierten. Einige TikTok-Partnerunternehmen wie Abercrombie & Fitch, Chipotle oder Sony wählten dann aus diesem Bewerberpool ihre neuen Mitarbeitenden aus. Das Projekt ist abgeschlossen, TikTok behält sich aber auf der Landingpage des Programms eine nächste Runde vor.

 

Auftritt ist alles?

Zumindest einen deutlichen Haken hat diese Art der Mitarbeitersuche jedoch: Fachliches Können wird hier mit der Fähigkeit sich selbst zu präsentieren verknüpft. Das mag für mache Jobs und Branchen klar von Vorteil sein, für andere potentielle Bewerber*innen kann das zum Hemmschuh werden. Denn nicht jede*r der sich gut selbstdarstellen kann, weiß in der Praxis auch zu beeindrucken – und umgekehrt. Schüchterne Menschen sind hier klar im Nachteil, egal wie talentiert sie in anderen Bereichen vielleicht sind. Und auch die reine Beschränkung auf optische Werte hat TikTok – aber auch Intagram – in der Vergangenheit bereits Kritik eingebracht. Vor allem TikToks bedenklicher Umgang mit Menschen mit Behinderung, der LGBTQ+-Community und übergewichtigen Menschen schlug 2019 etwa große Wellen – auch wenn hier inzwischen Verbesserung gelobt wurde.

 

Fazit: Die Mischung macht’s

Gerade um beispielsweise künftige Lehrlinge anzusprechen ist TikTok ein gutes Instrument. Vor allem als Employer Branding-Instrument kann die Plattform die Bekanntheit und Attraktivität in der jungen Zielgruppe steigern. Aber Bewerbungen über TikTok sind nicht für alle Branchen und Jobs das richtige Mittel, um Interessenten richtig zu bewerten. Die klassischen Kanäle haben also noch lange nicht ausgedient. Denn vor allem in puncto Gleichberechtigung hat TikTok klar das Nachsehen zur klassischen Jobanzeige oder zu Recruiting-Apps.

 

Wer mehr wissen will

Auf unserem Blog haben wir bereits hier darüber berichtet, wie Recruiting-Apps funktionieren und welche Chancen sich damit ergeben. Und mehr zum Onlineverhalten von Jugendlichen 2021 findet ihr hier.

 

Bildquelle: Good Faces @unsplash